Archivgut Nachlass

Dr.in Pia S. NL 70 II

Juli 1912 bis Dezember 1963

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: Juli 1912 bis Dezember 1963
Sprache: Deutsch
Beschreibung:

Orte: Mariazell in der Steiermark; Wien; Saarbrücken in Deutschland; Metz in Frankreich; Hagaborg in Schweden; Winterthur in der Schweiz u.a.

Quellentypen: Tagebuch (Jugendtagebuch, Frauentagebuch, während dem 2. Weltkrieg geführtes Tagebuch): 2 Bände; Korrespondenz (Familienkorrespondenz, Kinderkorrespondenz): 22 Schreiben; 77 Dokumente zur Schul-, Universitäts- und Berufslaufbahn; 1 Fotografie

Zum Bestand: Schreiberin/Adressatin: Dr.in Pia S.; geb. 1906 in Krems in Niederösterreich, gest. 1997 in Wien

Übergeberin: Mag.a Elisabeth W. (Bekannte der Familie S.), 2004



Dr.in Pia (Isabella) S. war Lehrerin und Volksschuldirektorin. Sie ist mit ihrer jüngeren Schwester Irmgard S. (1911-2003) in gutbürgerlichen Verhältnissen in Wien Währing aufgewachsen. Ihre Mutter Isabella S. (geb. S., 1877-1954) kam aus einer Militärsfamilie aus Mährisch-Schlesien, ihr Vater Dr. Josef S. (1870-1947) war Finanzbeamter.

Aus Pia Schlingers Kindheit sind 7 Zettel erhalten, auf denen sie oder ihre Schwester 1915 erste Korrespondenzen geübt haben. 3 davon sind auf der Rückseite von Werbedrucken des Hotels „Lang Gold. Kreuz“ in Mariazell verfasst.

Nach dem Ersten Weltkrieg verbrachten die 14-Jährige einige Zeit zur Erholung in der Schweiz. Der einzige erhaltene Brief an die Eltern von diesem Aufenthalt aus April 1920 gibt auch Hinweise auf die Organisation der gemeinsamen Korrespondenzen: „Beiliegend sende ich Euch den Brief von Irmerl zurück u. den, den sie mir geschickt hat. Das ist sehr wenig nicht wahr? Aber ich bin froh, daß sie mir überhaupt geschrieben hat“. Die jüngere Schwester Irmgard S. hielt sich ihrerseits seit Februar 1920 in Hagaborg in Schweden auf, wohin Pia S. ihr im September 1920 folgte, was anhand von 3 Briefen dokumentiert ist. Auch 9 Fotografien sind von diesem Aufenthalt erhalten. (Die Briefe und Fotografien aus Schweden sind dem Nachlass von Irmgard S. SFN NL 70 III zugeordnet.)

Im Juni 1920 begann Pia S. damit, ihr Tagebuch zu führen. Die Einträge reichen bis Oktober 1928 und sind fast ausschließlich in Gabelsberger Kurzschrift verfasst. Der Band enthält dazu zahlreiche Einlagen wie z.B. ein kleinformatiges Heft mit dem Titel „Erinnerungen an meine Exercitien, Juni 1920“, Postkarten und gepresste Blumen. Im Dezember 1938 begann Pia S. einen zweiten Band, in dem sie bis Mai 1940 aber nur 7 Seiten beschrieben hat. Diese Einträge sind ebenfalls in Stenographie verfasst.

Die Ausbildung und spätere Berufstätigkeit von Pia S. ist anhand zahlreicher Zeugnisse und Bestätigungen belegt. 23 Schulzeugnisse und Zeugnisse der Lehrerinnenbildungsanstalt wurden zwischen 1912 und Oktober 1928 ausgestellt. 1925 und 1926 arbeitete sie an einer katholischen Volksschule in Wien Landstraße.

Ab 1928 studierte Pia S. Deutsch und Französisch an der Universität Wien, wovon 37 Zeugnisse und 6 Dokumente zur Promotion „mit Auszeichnung“ im März 1934 erhalten sind. Ab 1936 arbeitete sie wieder im Schuldienst. Von ihrer langjährigen Berufslaufbahn in verschiedenen Wiener Schulen sind 11 Dokumenten erhalten, darunter 1 „Verwendungszeugnis“ als Volksschullehrerin aus Februar 1926, 1 „Sittenzeugnis“ der Polizeidirektion Wien für den Antritt bei der „Ergänzungsmatura“ für Mittelschulen aus Jänner 1928, 1 Dienstausweis als „außerplanmäßige Lehrerin“ aus Mai 1941 mit Portraitbild sowie 1 Legitimationskarte als Volkschuldirektorin aus Dezember 1963.

Von Pia Schlingers Korrespondenzen mit den Eltern sind insgesamt 20 Schreiben erhalten, die sie zwischen Juni 1930 und März 1942 verfasst hat. Die frühen Briefe wurden während Ferien- oder Sommerfrischeaufenthalten gewechselt, teilweise auch gemeinsam mit ihrer Schwester Irmgard S., die darin im Juni 1930 u.a. detailliert ihre Maturaprüfung schilderte.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Pia S. u.a. in Metz an der Mosel in Frankreich und in Saarbrücken in Deutschland. Von hier sind 11 Schreiben aus der Zeit von Mai 1941 bis März 1942 an die Familie in Wien bzw. in der Sommerfrische erhalten, die wiederum auf ihr enges Verhältnis schließen lassen. Ein Brief von März 1942 beginnt etwa mit der Anrede „Meine liebsten drei auf der Welt!“ In einem Brief im selben Monat gab sie Hinweise auf die kriegsbedingte Versorgungslage: „Das friedensmäßige Briefpapier kommt von H. B., er spendierte uns je 5 Stück.“ Aus Mai 1941 und Mai 1942 liegen 4 Antwortbriefe der Eltern vor. Die Korrespondenz ist teilweise in Kurzschrift verfasst, neben Schilderungen von Tagesaktuellem ist das gegenseitige Senden von Paketen Thema. 2 weitere Briefe wurden in dieser Zeit mit weitere Personen gewechselt. Inhalte sind hier u.a. Krankenhausaufenthalte der Eltern.

Pia S. lebte mit ihrer jüngeren Schwester Irmgard S. im gemeinsamen Haushalt in einer Wohnung in dem von den Eltern geerbten Zinshaus in Wien Währing. Sie dürften dabei Haushaltshilfen angestellt haben. Irmgard S. war ebenfalls Lehrerin und Volksschuldirektorin.

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