Archivgut Nachlass

Irmgard S. NL 70 III

Juli 1918 bis Dezember 1998

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: Juli 1918 bis Dezember 1998
Sprache: Deutsch
Beschreibung:

Orte: Graz in der Steiermark; Wien; London in Großbritannien; Hagaborg in Schweden u.a.

Quellentypen: Tagebuch (Jugendtagebuch): 1 Band; Aufzeichnungen in Buchform: 1 Poesiealbum, 1 Theaterbuch, 1 Haushaltsbuch/Taschenkalender; Korrespondenz (Familienkorrespondenz, Kinderkorrespondenz, Freund:innenkorrespodenz, Paarkorrespondenz, Korrespondenz aus der Emigration): 45 Schreiben; 10 Fotografien; 51 Dokumente zur Schul-, Universitäts- und Berufslaufbahn; Weiteres: Notizzettel, Gedichte, Lohnsteuerkarte, Maturazeitung u.a.

Zum Bestand: Schreiberin/Adressatin: Irmgard S.; 1911-2003, geb. und gest. Wien

Übergeberin: Mag.a Elisabeth W. (Bekannte der Familie S.), 2004



Irmgard S. war Lehrerin und Volksschuldirektorin. Sie ist mit ihrer älteren Schwester Dr.in Pia (Isabella) S. (1906-1997) in gutbürgerlichen Verhältnissen in Wien Währing aufgewachsen. Ihre Mutter Isabella S. (geb. S., 1877-1954) kam aus einer Militärsfamilie aus Mährisch-Schlesien, ihr Vater Dr. Josef S. (1870-1947) war Finanzbeamter.

Aus der Kindheit von Irmgard S. und ihrer Schwester Pia S. sind einige ausgeschnittene Kleider für Papierpuppen sowie ein Kranich in Origamifalttechnik erhalten. Eine kurze autobiografische Anekdote aus der Sommerfrische in Mariazell ist unter dem Titel „Meine früheste Erinnerung“ auf einem undatierten Blatt festgehalten.

Nach dem Ersten Weltkrieg hielt Irmgard S. für längere Zeit zur Erholung in Schweden auf. Dieser Aufenthalt ist anhand von 12 Briefen dokumentiert, die sie zwischen Februar und September 1920 an die Eltern in Wien geschrieben hat. Im Sommer 1920 berichtete die 9-Jährige etwa folgendes: „Süseste Mutti! […] Es ist so herlich hier in Schweden. Es gibt alles zu Essen und zu trinken. Ich möchte doch so gerne haben das wir alle in Schweden Tyreda Hagaborg wohnen“ (5. Juni 1920). Von den Eltern ist 1 Antwort von Juni 1920 erhalten.

Irmgard Schlingers Schwester Pia verbrachte im Frühling 1920 einige Zeit in der Schweiz, ab September 1920 war sie ebenfalls in Schweden, wovon 3 Briefe aus September und Oktober 1920 erhalten sind. Der Aufenthalt ist zudem durch 9 Portrait- und Gruppenfotografien (1919 und 1920) sowie 2 nicht abgesendete Postkarten von Irmgard S. an Adressatinnen in Schweden dokumentiert.

Aus Irmgrad Schlingers Schulzeit in Döbling von 1918 bis 1930 liegen 18 Zeugnissen vor. Nach der Volks- und Bürgerschule besuchte sie hier eine „Oberschule“, wozu 1 Brief ihres Vaters Josef S. an den Stadtschulrat Wien aus Juli 1926 mit dem Antrag um Aufnahme erhalten ist. 1929 dürfte sie einen Sprachkurs in Dijon in Frankreich absolviert haben, wohin der Brief einer Freundin namens „Vally“ adressiert wurde.

Ihr Poesiealbum enthält Einträge von Jänner 1920 bis Juni 1926, zudem hat Irmgard S. ein kleines Heftchen mit dem Titel „Ein paar Blümlein für Dich. Ostern 1923“ aufbewahrt, in das Gedichte und Zeichnungen eingetragen sind.

Irmgrad Schlingers Tagebuch mit Einträgen von Mai 1925 bis Juli 1935 hat anfangs hauptsächlich die Verehrung einer Lehrerin zum Inhalt. Später hat sie darin die Begeisterung für den Burgschauspieler Raoul Aslan (1886-1958) und die Bekanntschaft mit der Literaten-Familie Wildgans dokumentiert.

Irmgrad Schlingers „Konzert-, Theater- und Film-Merkbuch“ enthält in den dafür vorgedruckten Tabellen Einträge zu allen Vorstellungen, die sie über den langen Zeitraum von Oktober 1923 bis November 1991 besucht hat. Rückseitig hat sie es durch eingelegte Blätter erweitert.

Von ihren Freundinnenkorrespondenzen in der Jugendzeit sind 28 Schriftstücke erhalten. 9 davon aus Juni 1928 bis März 1932 hat ihre Schulfreundin „Bobby“ verfasst, mit der Irmgrad S. ihre Idole teilte.

Ihre Schullaufbahn, das Studium und die spätere Berufstätigkeit sind anhand zahlreicher Zeugnisse und Bestätigungen belegt. Von März 1931 bis April 1933 besuchte Irmgrad S. die Hochschule für Welthandel in Wien, ab 1932 war sie auch an der Universität Wien eingeschrieben, wo sie – wie ihre ältere Schwester - Deutsch und Französisch studierte. Erhalten sind davon 1 Rechnung aus März 1931, 1 Abgangszeugnis aus April 1933, 1 Meldungsbuch aus Mai 1933 mit Portraitfotografie und 17 Zeugnisse von 1934 bis 1937. Sie wechselte dann in die Lehrerinnenausbildung, wovon 2 Zeugnisse der Lehrerinnenbildungsanstalt aus 1939 erhalten sind. Seit Jänner 1940 war sie als provisorische Lehrerin an verschiedenen Volks- und Hauptschulen in Wien tätig, die Abschlüsse machte sie während des Zweiten Weltkriegs. 1 Lehrbefähigungszeugnis aus Herbst 1945, 2 Anerkennungsurkunden des Stadtschulrats aus 1964 und 1972 sowie die Ernennung zum „Volksschuldirektor“ aus 1973 sind Teil von insgesamt 9 Dokumenten zu der langjährigen Berufslaufbahn von Irmgrad S..

Sie lebte mit ihrer Schwester Pia S. im gemeinsamen Haushalt in einer Wohnung in dem von den Eltern geerbten Zinshaus in Wien Währing. Sie dürften dabei Haushaltshilfen angestellt haben. Pia S. war ebenfalls Lehrerin und Volksschuldirektorin.

Von ihren Korrespondenzen scheinen insgesamt jeweils nur einzelne Schreiben erhalten geblieben zu sein. Aus Sommer 1930 liegen 2 Schreiben der Eltern vor, in denen sie ihrer Tochter zur bestandenen Matura gratulieren. Sie befand sich zu der Zeit auf Maturareise in Hamburg und Berlin, die Eltern auf Sommerfrische in Bad Goisern. Beigelegt sind getrocknete Blumen.

3 Briefe hat ihre Jugendfreundin „Elly“ zwischen Mai 1939 und August 1967 im Exil in London geschrieben. Die zwei jungen Frauen haben ihre Leidenschaft für das Theater geteilt. Dass „Elly“ Wien aufgrund von Verfolgung in der NS-Zeit verlassen hat, lässt sich anhand der wenigen vorhandenen Schreiben nur folgern. Die Briefe haben jedenfalls v.a. kulturelle Themen zum Inhalt. 1967 fasste „Elly“ zusammen: „Mein Irmi, Wien ist nie [nur] im Unterbewußtsein, es ist allzu gegenwärt und das Heimweh hört nicht auf. Aber wie die Karenina sagt, Zeit heilt alles Leid, aber sie macht keinen Irrtum wieder gut, wir hätten 45 zusammenpacken und beide nach Wien kommen sollen, jetzt ists zu spät man sieht hier dieser gräßlichen Dekadenz de Jugend zu und sieht in einen Abgrund“.

Eine weitere Korrespondenz ist u.a. mit Helmut K. belegt. Davon sind 9 Schreiben aus der Zeit von Juli 1944 bis April 1947 erhalten. Helmut K. lebte nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Graz, Irmgard S. scheint mit ihm auch Paketsendungen ausgetauscht zu haben.

Aus den 1950er-Jahren wurden zudem 3 Einladungen zu Klassentreffen aufbewahrt. Eine Maturazeitung im Umfang von 34 maschingeschriebenen Seiten ist nicht datiert.

Irmgard S. lebte mit ihrer älteren Schwester Pia S. im gemeinsamen Haushalt in einer Wohnung in dem von den Eltern geerbten Zinshaus in Wien Währing. Sie dürften dabei Haushaltshilfen angestellt haben. Pia S. war ebenfalls Lehrerin und Volksschuldirektorin.

Von ihren regelmäßig geführten Aufzeichnungen der finanziellen Ausgaben ist exemplarisch das Jahr 1998 vorhanden. Hier hat sie in einem Taschenkalender täglich Einträge wie „Meinl“, „Anker“, „Apth“ oder „Schuster“ vermerkt. Außergewöhnliche Ausgaben wie etwa „Blutdruckmesser“ sind ebenso ausgewiesen wie Hinweise auf Unterstützung im Haushalt („Hilfe“) und vermutlich getätigte Spenden („church“).

Teil des schriftlichen Nachlasses von Irmgrad S. ist schließlich u.a. 1 Lohnsteuerkarte für die „Bedienerin“ Käthe K. aus 1941, 2 Gedichte, die (vermutlich) sie im März 1954 und März 1955 für ihren Vater zum Geburtstag geschrieben hat sowie eine Sammlung von ca. 180 losen handschriftlichen Notizzetteln u.a. mit Gedichten und Textentwürfen.

Anmerkung:
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