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Orte: Dessau-Roßlau, Hamburg, Jederitz/Stölln bei Havelberg und Schönhausen an der Elbe in Deutschland; unbestimmbare Orte an der "Ostfront"/Kriegsschauplätze im 2. Weltkrieg Quellentypen: Korrespondenz (Paarkorrespondenz, Feldpost aus dem 2. Weltkrieg): 118 Schreiben; 2 Fotografien; Weiteres: Todesanzeige, Zeitungsausschnitt, 2 "Beurteilungsschreiben" Zum Bestand: Schreiberin/Empfängerin: Erika K. (geb. Ahsen), geb. 1922 in Hamburg in Deutschland, gest. 2012 in Bad Bevensen in Deutschland
Schreiber/Empfänger: Helmut K.; geb. 1922 vermutlich in Jederitz/Stölln bei Havelberg in Deutschland; gest. 1944 an der "Südostfront"
Übergeberin: Dr. Holger K. (Sohn von Erika K.) 2019
Erika Karla Christine K. (geb. Ahsen) war im gehobenen sozialen Umfeld einer Kaufmannsfamilie in gutbürgerlichen Stadtteil Winterhude in Hamburg aufgewachsen und hatte den Beruf "Kaufmannsgehilfin" gelernt. Nach den Luftangriffen auf Hamburger Wohnbezirke im August 1943 lebte die Familie zunächst bei einem Geschäftspartner des Vaters in der kleinen Hansestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt. Nach dem Reichsarbeitsdienst (RAD) und Kriegshilfsdienst arbeitete Erika K. als Sekretärin im Handelsunternehmen ihres Vaters, das er von Havelberg aus weitergeführt hat.
Aus ihrem schriftlichen Nachlass ist eine Feldpostkorrespondenz erhalten, die sie zwischen Dezember 1943 und Dezember 1944 mit ihrem damaligen Verlobten Helmut K. geführt hat. Er stammte vermutlich aus Jederitz/Stölln im Havelland. Entsprechend seiner Briefe war er als Soldat zunächst in der Reserve in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt stationiert, ehe er ab September 1944 an unbestimmbare Orte in "Ostpreußen", an der "Ostfront" und "in Polen" versetzt wurde. Weitere Informationen zu der Person dieses jungen Mannes liegen derzeit nicht vor.
Seine Seite der Korrespondenz liegt im Umfang von 116 Schreiben vor. Die Briefe sind größtenteils nummeriert und wurden in einer Heftmappe geordnet aufbewahrt. Sie enthalten Berichte über den Alltag als Soldat, vor allem aber Schilderungen der Sehnsucht und der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen: "Lange Tage habe ich nichts von mir hören lassen. Doch habe ich immer an Dich gedacht, immer, Liebste" (16. August 1944). Gleichzeitig hat Helmut K. sein Verständnis als Soldat thematisiert: "Aber mein Platz ist nun einmal nicht dort, sondern hier, im 'schönen' Polen" (7. Oktober 1944) und es wurde die gemeinsame Beziehung besprochen: "In deinem Brief 6 schreibst Du mir, dass Du immer eine tapfere Soldatenbraut sein willst und das du ganz gleich wie lange, immer auf mich warten wirst" (7. Oktober 1944).
Von Erika K.sSeite der Korrespondenz sind nur zwei Briefe aus September 1944 erhalten, die als "z.Zt. nicht zu befördern" zurückgesandt worden waren. Darin berichtete sie über Freizeitaktivitäten wie etwa Kinobesuche sowie von ihrem Wunsch nach einem möglichst sicheren Kriegseinsatz ihres Freundes: "Natürlich würde es mich freuen, wenn Du noch recht lange bei der Führerreserve bleiben könntest, mag Dich das auch noch so sehr verdrießen" (16.September 1944).
Der Korrespondenz beigelegt waren der ausgeschnittene Zeitungsartikel "Liebende zu dieser Zeit. Die harte Schule der Ferne" (ohne weitere Provenienz und Datum) sowie zwei 2-3 seitige "Beurteilungen", die sich Erika K. und Helmut K. gegenseitig "ausgestellt" haben. Diese Evaluierungen der jeweils anderen Person enthalten Angaben zu deren "Befähigungen" als "Geliebte/Geliebter", "Kameradin/Kamerad", "Hausherrin/Hausherr" sowie Aussagen zum Charakter, zu "Fehlern" und das "Äußere" der bzw. des jeweils anderen. Erika K. unterschrieb ihre Blätter mit "Ehefrauanwärterin z.Zt. Kaufmannsgehilfin in einer Großhandelsfirma".
Dem Nachlass beigelegt wurden je eine Portraitfotografie der beiden jungen Leute.
Helmut K. starb im Dezember 1944 als Soldat an der "Südostfront". Seine Todesanzeige ist als Billet mit christlichen Motiven (Kreuz, Bibel und Kerze) und dem Ausschnitt einer von "Familie Walter K." unterfertigten Bekanntmachung in einer Zeitung von Jänner 1945 individuell gestaltet. |