Archivgut Nachlass

Emma Strauß NL 51 IV

Juli 1912 bis Mai 1974

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: Juli 1912 bis Mai 1974
Sprache: Deutsch
Beschreibung:

Orte: Wien; Orte an der Front/Kriegsschauplätze im Ersten Weltkrieg: Maiano in Italien und weitere Orte an der italienischen Front u.a.

Quellentypen: Tagebuch (Männertagebuch, während des 1. Weltkriegs geführtes Tagebuch): 1 Band; 4 amtliche Dokumente; 3 Dokumente zur Schul- und Berufslaufbahn; autobiografische Aufzeichnungen: 1 Familienchronik mit zahlreichen Einlagen

Zum Bestand: Schreiberin: Emma Strauß (geb. S.), 1903-1982, geb. und gest. in Wien

Schreiber: Johann Strauß (Strauhs); 1898-1963, geb. und gest. in Wien

Übergeberin: Annelies F. (Nichte von Emma Strauß), 2013



Emma Strauß (geb. S.) ist als Jüngste von vier Geschwistern in Wien aufgewachsen. Ihre Mutter Emma S. (geb. Schebesta, verw. S., 1864-1940) führte einen Schneidereibetrieb, ihr Vater Georg S. (1896-1937) war Portier. Emma Strauß war Gesellin im Betrieb der Mutter, später arbeitete sie in der „Löwenapotheke“ in der Wiener Josefstadt. Der Posten war ihr durch ihre Schwägerin Anna S. (geb. L., 1897-1965) vermittelt worden, die ebenfalls hier angestellt war.

In den frühen 1940er-Jahren lernte Emma Strauß ihren späteren Ehemann Johann Strauß (Strauhs) kennen. Er war in Wien Simmering aufgewachsen. Die Eltern kamen beide aus dem Waldviertel, der Vater war Postkutscher. Nach der öffentlichen Bürgerschule hatte Johann Strauß die „Öffentliche fachliche Fortbildungsschule für Mechaniker“ absolviert, was anhand von 2 Zeugnissen aus 1912 und 1914 belegt ist.

Im Ersten Weltkrieg war er als Soldat in die „Schützen Regiment Nr. 1 1. Ersatzkompagnie“ eingezogen und an der Südfront stationiert. Aus Juli und August 1918 liegt ein Tagebuch im Umfang von 51 Seiten vor. Der junge Mann schildert darin beinahe täglich, teilweise sehr detailliert seine Tagesabläufe: „14. Juli. Um 6h früh Tagwache. Zum Frühstück Kaffee. Aus den Zigarettentabak 46 Stück Zigaretten gestopft. Heute ist Sonntag. Der erste fern von Wien. Ausgang ist noch immer nicht bewilligt. Der Tag wird wieder fürchterlich heiß. Vormittag war Kirchengang in Farla. Die Kirche ist von heraußen ein eigentümlicher Bau. Aber innen ist herrlich. Die Altäre sind Meisterwerke aus Marmor“. Neben dem Verzeichnis einzelner Adressen hat Johann Strauß auch zwei kleine Zeichnungen in sein Tagebuch eingetragen. Eine zeigt einen Soldaten bei der Wache, die Beschriftung lautet „steh ich in finstrer Mitternacht. 24. Juli 1918. Marodenhaus in Maiano“.

Einlagen im Tagebuch sind 1 im November 1918 ausgestellter „Landwehrschein“, eine Atelieraufnahme in Uniform sowie 2 später aufgenommene Portraitbilder von Johann Strauß.

Sein weiterer beruflicher Werdegang ist durch einzelne amtliche Dokumente belegt: Im Juli 1926 schloss er einen Abendkurs für Maschinenbetriebsleiter der „Elektro- und Maschinenfachschule Arsenal“ ab, auf dem Staatsbürgerschaftsnachweis von 1955 ist sein Beruf mit „Werkstattkontrollor“ angegeben.

Emma Strauß und Johann Strauß haben im Juni 1945 geheiratet. Zu diesem Zeitpunkt waren ihre Eltern und alle drei Geschwister bereits tot. Ihre Schwester Hermine S. (1894-1940) war im Nationalsozialismus als Patientin einer psychiatrischen Einrichtung umgebracht worden, ihr Bruder Rudolf S. (1898-1945) starb an den Folgen einer Kriegsverletzung. Das Andenken an ihre Familie hat Emma Strauß in einer kleinformatigen Chronik festgehalten, die bereits ihr Urgroßvater Franz Karl 1825 begonnen hatte. Der jüngste Eintrag aus Mai 1974 gilt ihrer Cousine Stefanie S. (1904-1974). Der Eintrag für ihren Ehemann ist mit einer Frage beschlossen: „23/10. ins Wilhelminen-Spital und am 14/11. dort für immer von mir. Oder es gibt drüben ein Wiedersehen?“ Die Chronik ist dem Nachlass ihrer Großmutter Marianna Schebesta (geb. Karl, 1827-1885, NL 51 I) zugeordnet.

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